Was bewirken Tarifverträge - wem nutzen sie?

Tarifverträge regeln den Arbeitsmarkt, in dem sie verbindliche Vorgaben für individuelle Arbeitsverträge machen. Sie greifen dadurch in die Marktbeziehungen zwischen ArbeitnehmerInnen und Arbeitgebern ein. Der Preis für die Arbeit wird auf diese Weise der möglichen Konkurrenz der ArbeitnehmerInnen untereinander zumindest teilweise entzogen.

Tarifverträge haben Vorteile für dich:

Tarifverträge erfüllen also eine Schutzfunktion für die abhängig Beschäftigten. Sie schützen dich vor willkürlicher Kündigung und sichern dir ein geregeltes und gerechtes Gehalt. Sie sorgen auch dafür, dass du an der wirtschaftlichen Entwicklung teil hast (Verteilungsfunktion) und ermöglichen den Beschäftigten insgesamt eine Beteiligung an der Regelung der Arbeitsbedingungen (Gestaltungsfunktion).

Tarifverträge nutzen jedoch nicht nur den Beschäftigten: Aus Arbeitgebersicht übernehmen die Tarifverträge eine Kartellfunktion. Sie schaffen einheitliche Wettbewerbsbedingungen bei den Arbeitskosten. Hinzu kommt ihre Friedens- und Ordnungsfunktion: Während der Laufzeit der Verträge besteht Friedenspflicht, das heißt, es darf nicht gestreikt werden. Die Unternehmen erhalten durch die Verträge eine gesicherte Planungs- und Kalkulationsgrundlage, d.h. sie können ihre Kosten für die Zukunft berechnen.

Bei Verbands- oder Flächentarifverträgen kommt hinzu, dass der Konflikt um Löhne und Arbeitszeiten von den Betrieben ferngehalten und auf die Verbände verlagert wird (Koordinierungsfunktion).

Aus Sicht des Staates ist mit dem Tarifvertragssystem vor allem eine wirkungsvolle Entlastungsfunktion verbunden. Er kann sich auf eine Schlichterrolle bei schweren Tarifkonflikten zurückziehen, muss also nicht selbst verhandeln, sondern kann bei Streitigkeiten zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern helfen.